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Heimatbaumlieder

Anders als bei Naturvölkern auf der Erde stimmen Männer und Frauen gemeinsam in Lieder ein, die vom Heim und von Tätigkeiten rund um die Feuerstelle handeln: wie Weben, Kochen, Kindererziehung und das Spielen mit Kindern. Heimatbaummusik ist dabei nicht so rhythmisch wie Jagd- oder Kampfmusik, häufig fehlt auch ein wahrnehmbarer Takt. Dabei setzen die Na’vi ihren sehr breiten Stimmumfang ein, der nicht selten drei Oktaven umfasst (ein ihnen unbekanntes Tonsystem). Viele Melodien gehen einher mit Überlappungen und dem Kaskadieren von Melodieabschnitten, bei denen jeder einzelne Sänger dieselbe Grundmelodie singt, aber Einsatz, Tempo und Rhythmus variiert – eine Musizierform, die man als Heterophonie bezeichnet. Sie eignet sich gerade für individuell zu verrichtende Tätigkeiten wie dem Ausbessern von Kleidung, dem Sammeln von Nahrungsmitteln und dem Fischfang. (Read more)
Obwohl diese häusliche Musik üblicherweise weniger rhythmisch ist, steigert sich ihr Rhythmus durch die gemeinsame Arbeit, insbesondere beim Weben und bei der Essensvorbereitung. Häufig tratschen und singen die arbeitenden Na’vi während dieser Tätigkeiten.

Die meisten Heimatbaumlieder behandeln das Weben, im alltäglichen gemeinschaftlichen Leben eine der Haupttätigkeiten. Die Na’vi weben auf zwei Arten: Entweder sitzt eine Gruppe Frauen und Männer an kleinen, einzelnen Webstühlen oder es arbeiten sechs bzw. sieben Na’vi gleichzeitig an einem der riesigen Webstühle, die zwischen Fußboden und Decke in den Gemeinschafträumen des Heimatbaums gespannt sind. Die meisten Lieder singen die Männer und Frauen, die an einzelnen Webstühlen arbeiten. Inhalte variieren von Jagd- und Klatschgeschichten zu Diskussionen über den potentiell besten Gefährten bzw. die beste Gefährtin. Gerade ältere Frauen singen gerne Lieder mit eindeutig anzüglichem Inhalt. Viele Gesänge besingen die Freude an der Schönheit der eigenen Welt und an der des eigenen Volkes.

Während des Webens bestimmt der Rhythmus des Webstuhls den Rhythmus des Gesangs. Erfahrene Weber erzeugen den gleichmäßigsten Rhythmus und singen dazu die anspruchsvollsten Lieder:

Das Lied vom Weben
Der Rhythmus von Regen und Sonne,
Von Tag und Nacht,
Der Rhythmus der Jahre,
Und das Schlagen der Herzen,
Das Herz der Na'vi
Erfüllt mich,
Erfüllt mich. Tompayä kato, tsawkeyä kato,
Trrä sì txonä
S(ì) ayzìsìtä kato,
Sì’ekong te’lanä,
Te’lanä le-Na’vi
Oeru teya si,
Oeru teya si.
Ich webe den Rhythmus
In gelb und blau
Den Rhythmus der Jahre,
Die Spirale der Leben,
Die Spirale der Leben,
Das Leben der Na'vi
Erfüllt mich,
Erfüllt mich. Katot täftxu oel
Nìean nìrim,
Ayzìsìtä kato,
’Ìheyu sìreyä,
’Ìheyu sìreyä,
Sìreyä le-Na’vi
Oeru teya si,
Oeru teya si.


Während Klanmitglieder bei der Essenzubereitung Nahrungsmittel mit ihren ikut’sey (Stampfstöcken) zerstoßen, untermalt ihr rhythmisches Stampfen den Gesang der Frauen. Jeder einzelne Stock erzeugt aufgrund seiner Größe einen eigenen Klang. Dabei greift die Konstruktion der Stocktrommeln, den sogenannten umili jahmka t’rusu, die Idee auf, unterschiedlich klingende Instrumente in einer Gruppe zu kombinieren. Arbeitende Na’vi bringen mit den ikut’sey-Stößen neben ineinander greifenden Rhythmen eine zarte Melodie hervor, die dann andere weiter ausfeilen. Obwohl ikut’sey an und für sich kein Musikinstrument sind, ergänzen die an ihnen angebrachten Holzzylinder die Klangmischung mit zusätzlichen Tönen.

Linguistisch unterscheiden sich Heimatbaumlieder von Kampf- und Jagdliedern dahingehend, dass die für die Na’vi-Sprache kennzeichnenden Knacklaute und glottalen Konsonanten nicht betont werden. In vielen Fällen – ganz besonders bei Wiegenliedern – verschmelzen bestimmte Silben miteinander, indem härtere Plosive ausgelassen und die Anzahl der Knacklaute reduziert werden, um einen weicheren, weniger aggressiven Klang zu erzeugen.

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